Bangkok

Die letzte Etappe unserer Reise verbrachten wir in einer Stadt, genauso vielfältig wie die letzten 11 Monate: Bangkok. Nach der Ruhe und Abgeschiedenheit Ko Samuis standen uns drei Tage Großstadtleben in Asien bevor. Zusammengefasst: Es war laut, bunt, groß und seeeeehr warm 🎤🎊📣🌇

Angefangen mit dem Hostelzimmer: Eine Streichholzschachtel. Nebenan: eine riesige Shopping-Mall, die zum stundenlangen, wohl klimatisierten Umherbummeln einlud. Da wir aber auch das ursprüngliche Bangkok erkunden wollten, folgten wir der Empfehlung, eine Bootstour über den Fluss Chao Phraya zu machen. Diese bot die Möglichkeit, an den zahlreichen Anlegestellen die Sehenswürdigkeiten der Metropole zu besichtigen. Als erstes der beeindruckende Tempel Wat Arun, welcher so fein gearbeitet und bemalt ist, dass es Wochen dauern würde, sich alles genau anzuschauen. Am Grand Palace hatten wir leider Pech und konnten aufgrund einer Veranstaltung diesen nicht besuchen. Da aber vor kurzem Thailands beliebter König verstorben ist, befand sich dessen Krematorium noch nebenan: Opulent und ziemlich pompös anzusehen. Etwas verschwitzt und erschöpft drängelten wir uns später durch das mit Menschen und Straßenimbissen vollgestopfte Chinatown und probierten dort zum ersten Mal das berühmte Street Food. Um mal einen Mythos aufzuklären: Da in Thailand fast niemand eine eigene Küche besitzt, kaufen die meisten Einheimischen ihr Essen meist auch auf der Straße. Daher kann es sich ein Stand nicht erlauben, unhygienisch zu sein, sonst könnte dieser direkt schließen. Und wenn ihr in Bangkok dieses nicht probiert, dann entgeht euch wirklich was. Es ist so lecker!

Die traditionell thailändische Architektur, die von bombastischen Bauten wie den Einkaufskomplexen MBK oder dem Terminal 21 in den Hauptstadt längst verdrängt wurde, war beim Thompson House zu sehen. Das Wohnhaus des Amerikaners Jim Thompson wurde nach dessen mysteriösem Ableben der Öffentlichkeit durch seine Stiftung als Museum zur Verfügung gestellt. Thompson setzte sich für die traditionelle thailändische Seidenherstellung und Verarbeitung ein. Deswegen und aufgrund einer großen Sammelleidenschaft gab‘s auf der Führung durch das Museum allerhand Interessantes zur Geschichte und den Traditionen des Landes zu hören.

Unser Highlight war jedoch der Besuch eines Nightmarkets. Nach wirklicher Überwindung am Nachmittag mussten wir uns in der fast unerträglichen Hitze regelrecht aufrafffen, loszuziehen. Zu unserem Glück: Zwar drängten wir uns abermals durch ein Meer von Essens-, Klamotten- & Massageständen, Bars und Tattoowiereren und die Klamotten klebten und der Schweiß rann, jedoch sammelten wir stundenlang begeistert Eindrücke einer völlig anderen, unbeschreiblich faszinierenden Kultur 😊

bimostitch_pano_1-01-1958x844

Am wirklich allerletzten Tag der Reise bummelten wir durch den Lumpini Park, eine der wenigen grünen Oasen in der Megastadt. Da wir es aber kaum aushielten vor Hitze, führte uns der Weg recht schnell zurück in die Shopping-Mall 😅

Als wir dann viel zu früh am Flughafen noch ein paar Stündchen verbrachten, erlebten wir noch kreischende Fans einer uns völlig unbekannten abfliegenden Band, deren Begeisterung recht amüsant am völlig überlaufenen Flughafen anzusehen war. Nachdem wir uns durch verschiedene Sicherheitskontrollen gekämpft hatten, konnten wir uns zum letzten Mal im Flieger zurücklehnen. Und wie die meisten von Euch wissen sollten: Wir sind (inzwischen) wieder da 😊😊

Vielen Dank an alle, die so fleißig mitgelesen und somit mit uns 2017 verbracht haben. Wir wissen, dass aus dem anfänglich kleinen Projekt mittlerweile mit insgesamt 31 Artikeln eine Riesensache geworden ist und sind trotzdem sehr glücklich darüber und freuen uns immer wieder über eure Begeisterung und das Lob. Screenshot_20180110-152615-01.jpeg

Advertisements

Ko Samui

Nach der etwas holprigen Abreise aus Auckland (die Autobatterie war komplett leer) war der erste Zwischenstopp Sydney. Eineinhalb Stunden später bestiegen wir dann mal wieder den Airbus A380; unser Lieblingsflugzeug vom Lieblingsanbieter Emirates. Für Mario wegen dem kostenlosen Alkohol, für Franzi wegen dem schier endlosen Angebot an Filmen und Serien. Am Flughafen in Bangkok stiegen wir noch einmal um. Mit Bangkok Airways ging es dann ins Paradies, nach Ko Samui.

Schon das Flughafengebäude, bestehend aus aneinandergereihten offenen Holzpavillions, stimmte auf die exotische Idylle ein. Nun waren wir ja leider durch Bali etwas vorgeschädigt und bewegten uns nur langsam in Richtung Ausgang. Wir sollten positiv überrascht werden. Keine Masse an Menschen, die uns eine Taxifahrt anboten oder eher aufdrängen wollten. Nur vereinzelt leise Nachfragen. Klar ist: Die Insel ist deutlich kleiner, lichter bebaut und bevölkert als Bali, wodurch ein durchaus entspannteres Urlaubsgefühl zu verspüren ist.

Im Privattaxi ging es zum Hotel. Den Plan, zu laufen haben wir wegen dem strömenden Regen und der Schwere der Rucksäcke (die wir nun doch nicht am Flughafenschließfach zurückließen) verworfen. Nach vierstündiger Wartezeit (wir waren viel zu früh dran) konnten wir endlich in unser bombastisches Hotelzimmer einchecken. Da die Regenschauer den gesamten Tag anhielten, erkundeten wir zu Fuß nur die Umgebung des Hotels und unseren… Moment, es kommt gleich…. Privatwhirpool auf dem Balkon 😂😎

Scheinbar hatte der kleine Mario ordentlich aufgegessen, denn am nächsten Tag war zumindest vormittags schönes Wetter. Deswegen konnten wir schon etwas weitere Kreise ziehen und den Wat Plai Laem Tempel und die Big Buddha Statue anschauen. Letztere mit bereits bekannter und standesgemäßer Touri-Verkaufsstraße ringsherum. Aber auch hier lief alles überraschend entspannt ab und es wurde einem überhaupt nichts versucht aufzudrängeln.

Dann war es vorbei mit den Attraktionen in der Nähe, sodass wir es nochmal wagten, uns ein Moped auszuleihen. Gesagt getan: Für 4,50€ pro 24 Stunden! Dies ermöglichte es uns, die Insel an den zwei folgenden Tagen komplett zu umrunden und den verschiedensten Sehenswürdigkeiten einen Besuch abzustatten: Hin Ta & Hin Yai (Felsen in Genitalgestalt), Wat Ratchathammaran, Guan Yu (chinesisches Kriegerdenkmal), Laem Sor Pagoda, Na Mueang Wasserfall, Maenam Chinese Temple, und der Secret Buddha Garden stellten die Eckpfeiler einer wirklich beeindruckenden Rundfahrt dar, die wir auch schon Bali hatten, aber hier erst im gewünschten Maß idyllisch ausgefallen ist.

Mitten im Dschungel passierte es dann aber doch: Die große Befürchtung einer Panne im Nirgendwo trat tatsächlich ein. Die Bremse des Mopeds ging plötzlich nicht mehr. Ein Albtraum, vor allem für Franzi, deren einziges Problem darin bestand, sich davor zu fürchten, durch den Stillstand von Schlangen gefressen zu werden. Glücklicherweise kam in dem Moment ein Einheimischer vorbei, der uns schnelle Abhilfe leistete: Er kippte einfach eine Flasche Wasser über die Bremse. Scheinbar war diese durch die ewig DSC07839-01-3214x2139lange Bergabfahrt zu heiß gelaufen. Wir haben nicht schlecht geguckt, denn nach dem mystisch wirkenden Zischen und Dampfen funktionierte sie urplötzlich wieder.

Nebenbei muss hier noch wenigstens ansatzweise von der Herrlichkeit des thailändische Essen geschwärmt werden. Allmorgendlich beim reichhaltigen Frühstücksbuffet im Hotel mit Blick aufs Meer und abends meistens im kleinen süßen Restaurant nebenan, was in der kurzen Zeit auch irgendwie unser Stammding geworden war. Das tolle Ambiente der Unterkunft und deren nähere Umgebung war zudem einfach zu verlockend, um nicht ab und zu mal die Beine hochzulegen.

Neben all den schönen Sachen gab es auch natürlich hier Schattenseiten. Müllansammlungen waren zwar insgesamt deutlich seltener zu sehen als in Bali, jedoch musste man an manchen Strandstücken schon stauen was für Zustände herrschen. Der Gipfel war für uns allerdings das Elefantenreiten, was überall auf der Insel angeboten wird. Nicht wenigen Touristen wird es so DSC07694-01-2139x1162schmackhaft verkauft, dass der Blick beim Ablaufen der eingetreten Rundkurspfade, über die schlechten Lebensbedingungen hinwegsieht. Wir empfanden es einfach nur als grauenvolle Tierquälerei. Diese anmutigen Wesen kurz angekettet, zusammengepfercht und mit leeren Augen zu sehen bricht einem das Herz. Es ist unverständlich, wie da noch wer Geld dafür bezahlen möchte, da das Leid eigentlich so offensichtlich ist. Traurig.

Hühner satteln

Was für eine Premiere! Zum ersten Mal auf unseren langen Reise kriegen wir’s gebacken unseren Blog auf nahezu aktuellen Stand zu bringen. Und das am Ende unseres Trips 😅 Okay, nicht ganz am Ende, da uns noch ein kleines (und vielleicht nasses) Zuckerstück erwartet, aber dazu mehr.

Trotz dessen ihr vielleicht alle schon auf Facebook gesehen habt, dass wir unser geliebtes Neuseeland schon verlassen haben, wollen wir euch die letzten Wochen mit einigen Highlights nicht vorenthalten. Nachdem wir Bruce und Jans Heim traurig verließen, stand die letzte Woche in unserer tollen Serena an. Und wir schafften es dieses Mal tatsächlich die Katastrophe abzuwenden, den Ring in den Schicksalsberg zu werfen und Mittelerde zu retten. Mario verlor leider seinen linken Zeigefinger.

Nein Quatsch, es sind noch alle Körperteile dran, aber wir konnten endlich das Tongariro Crossing wandern. Dort ist es mittlerweile so voll mit Touristen, dass die kleinen Parkplätze völlig überfüllt sind und man außerdem durch Parkzeitbegrenzung zur Nutzung preisintensiver Shuttles gezwungen ist. Na gut, jedenfalls starteten wir in aller Herrgottsfrühe, um den Tag bestmöglichst nutzen zu können. Es war zwar keine schwierige, aber mit knapp 20km unsere längste Tageswanderung. Anders als bei den meisten Wanderungen in Neuseeland konnten wir hier leider keine Ruhe und Abgeschiedenheit genießen. Mario musste sein gesamtes Fotografiertalent benutzen, um niemanden auf den Bildern zu haben. Hat außer mit mir auch gut geklappt 😉 Allerdings konnten wir die Karawanen auch gut verstehen, es war einfach atemberaubend und ist vergleichsweise leicht zugänglich.

Bis zu unserer erneuten und abschließenden Ankunft in Auckland waren noch ein paar Tage übrig, und die nutzten wir, um die spektakulären Huka Falls in Taupo nochmal zu sehen, sowie am Mount Manganui in Tauranga anzuhalten und durch Katikati zu fahren. Außerdem versuchten wir erneut unser Glück auf der Westseite Coromandels, da dort beim letzten Mal förmlich die Welt unterging. Aber irgendwie… goss es wieder aus Kübeln 😅

Nebenbei versuchten wir noch den Verkauf unserer Serena zu managen. Da der Ansturm riesig war, mussten wir den Besichtigungstag auf unseren Ankunftstag vorverlegen und halbstündlich(!) Termine vergeben. Halleluja, eine schwere Geburt. Ständig Absagen und neue Anfragen. Und die Bitte, doch möglichst vor die Haustür zu fahren. Schlussendlich haben wir nach noch zwei Tagen Aufregung Serena an ihre neuen Besitzer übergeben und dabei das eine oder andere Tränchen verdrückt. Schließlich war dies unser Zuhause der letzten Monate und vor allem Mario hat viel Zeit und Liebe in die Aufwertung gesteckt.

Screenshot_20171114-094055-01-3214x5634

Zwischenzeitlich bezogen wir Quartier im idyllischen und ländlichen Südauckland bei Jo & Phil und deren Kids (die vierjährigen Zwillinge Skyla und Jacob und Baby Georgia) in einer eigenen tollen Wohnung auf deren Farm bei Pokeno. In den nächsten beiden Wochen bestand unsere Hauptaufgabe im Zäune jeder Art beizen. Wiedermal 😆 Nach den allein hier verarbeiteten 120 Litern kann man uns mittlerweile wahrlich als Profis bezeichnen 😉 Außerdem halfen wir noch bei Phils Mutter Chris im Garten beim Anlegen von Baumscheiben, schrubbten wie Piraten das Deck und am letzten Tag durfte Mario den Hammer schwingen, um einen Cattle Yard (eine Umzäunung mit Rampe zum Zusammentreiben und Verladen von Rindern) zu zerstören. Deren letzte Benutzung haben wir vorher auch beobachten können. Leider war der Highland Bulle nicht so in Stimmung und brach kurzerhand mal durch den Zaun. Angst! 😨 Aber alles gut, es bedurfte nur eines zweiten Anlaufs mit Ersatz-Zaunstück. Außerdem besuchten wir ein Fest der örtlichen Grundschule und einen Weihnachtsgottesdienst, in dem Jacob und Skyla als niedliche Engel bei der Krippenspielaufführung mitwirkten.

Insgesamt haben wir uns auch hier wieder rundum wohlgefühlt und einige lustige & flüssige Abende gemeinsam verbracht. Kulinarisch wurden wir ebenfalls mal wieder verwöhnt, u.a. als Einstimmung auf den folgenden Aufenthalt in Thailand mit Curry und Laksa. Denn zufällig waren unsere Gastgeber schon mehrmals dort im Urlaub und konnten uns gut mit der Planung helfen.

In Neuseeland zu helpxen war eine der besten Entscheidungen während unserer Reise. Wir haben so viele tolle Menschen kennengelernt und unglaubliche Gastfreundschaft erfahren. Ohne diese Erfahrungen wären wir niemals dem Leben und dem Land der Kiwis so nahe gekommen. Oftmals hatten wir das Gefühl, nicht genug zurückgeben zu können, für das was wir bekamen. Wahnsinn, danke nochmal! 😊🤗

Screenshot_20171205-095926-01

Trotzdem rückte der Abschied immer näher und auch wenn nun richtig Sommer wurde und das Wetter sich für diese letzten zwei Wochen ausschließlich von seiner Schokoladenseite zeigte, stiegen wir am 4.12. Screenshot_20171130-135311-01 ins Flugzeug, um die Zeitverschiebung zu Deutschland zu halbieren. Der Wetterbericht des Zielgebiets sollte jedoch wie schon angedeutet eine Besonderheit für uns bereithalten – Stichwort: Regenzeit 😓😅 Ob (und wenn ja wie) wir gegen die Sintflut ankämpfen konnten, erfahrt ihr in der nächsten Ausgabe 😉

Rückzug

Frisch und munter machten wir uns auf den Weg in Richtung Abel Tasman National Park. Relativ schnell war klar, wir wollten nur eine Übernachtung auf dem Track machen, dafür aber den Hinweg zur Hütte mit dem Kajak paddeln. Das war ein Spaß, fragt mal Mario. Der bekam nämlich trotz der wirklich guten Einweisung einen nassen Hintern bei `ner Landung auf einer kleinen Insel – und musste sich außerdem noch mit mir herumschlagen. Aber grundsätzlich war es verdammt cool. Vor allem weil wir die schönen Buchten & Strände des Parks viel deutlicher sahen als beim eigentlichen Wandern und an der Küste der Adele Island Robben beobachten konnten. Eigentlich wollten wir noch ein bisschen weiter als zur Hütte paddeln, jedoch forderte die ungewohnte Belastung der Arm- und Schultermuskeln ihren Tribut. In der schönen und (wie schon befürchtet) völlig überfüllten Hütte fanden wir einen unruhigen und wenig erholsamen Schlaf.

Am nächsten Tag führte uns der Weg zurück nach Maharau. Im Vergleich zur Kajaktour verlief der Track relativ unspektakulär. Ein bisschen schade ist, dass der Haupteil des Weges im Wald liegt und neben wenigen Lookouts nur vereinzelt steile Wege hinunter zu den Stränden führen.

Unser nächstes Ziel war die Region um den Farewell Spit, eine riesige sichelförmige Sandbank, welche wie der Schnabel eines Kiwivogels aussieht und der nördlichste Punkt der Südinsel ist. Dort erkundeten wir zudem den spektakulären Wharariki Beach.

In der Lokalzeitung Nelsons werden wir vielleicht auch gewesen sein. Nicht weil der Mario sich mal wieder daneben benommen hatte, sondern weil Franzi doch tatsächlich zum Freedom Campen interviewt wurde. Dabei konnte sie ihrem Ärger über ungezogene Camper endlich Luft machen.

Zu Halloween sind wir halsbrecherisch gruselig steil auf den Mount Stokes geklettert, dem höchsten Berg in den Marlborough Sounds und nicht weit entfernt vom Queen Charlotte Track. Bei tollem Wetter hatten wir eine gute Sicht auf die zerklüftete Küstenlinie. Die folgende Nacht verbrachten wir in einer Schafsherde auf der Titirangi Farm am Ende der Welt. Unglaubliche 5km zog sich die Straße vom Eingangstor bis zur eigentlichen Farm. Morgens waren wir mit Serena dann schon Mitglied der Herde, welche beim Erwachen bereits genüsslich das Gras schnurpste. Der junge Hase vom Vorabend zeigte sich zu Franzis Leidwesen nicht nochmal.

Bis zur Abfahrt der Fähre in Picton besichtigten wir noch ein bisschen Blenheim und die Ostküste zwischen beiden Orten. Dann hieß es: Setzt die Segel, es geht nach Norden zurück! Über Featherston ging es zurück nach Waipukurau, wo wir einer Einladung unserer früheren Gastgeber Jan & Bruce folgten.

Dort angekommen packten wir schnell unsere Tasche und ab gings ins Strandhaus der Familie, wo wir spazierten, mi den Hunden spielten, entspannen und die Neuigkeiten der letzten Monate austauschten. Tagesabschluss bildete ein heißes Bad unter Sternenhimmel. Das Wochenende wurde mit einem kurzen Bad im doch noch kalten Meer abgeschlossen; Nur dass wir sagen können, wir hätten das mal an unseren Geburtstagen gemacht. Die darauffolgenden Tage waren gefüllt mit toller Gesellschaft, gutem Essen und einer breiten Palette an Filmen als Abendentertainment. Nebenbei halfen wir im Garten, beim Zaun beizen und mit vielen anderen kleinen Sachen wie z.B. Wallpaper anbringen. Und wir waren beim Yoga. Auch der Mario! Der ist jetzt großer Fan. Außerdem durften wir Beifahrer in einem Motorcross-Cart sein. Auch die Franzi. Die hat Mario gleich mit dem Kauf einer solchen Maschine beauftragt, wenn er denn zuhause angekommen endlich ordentlich Kohle scheffeln wird.

Wie beim letzten Mal haben wir unseren Aufenthalt verlängert und auch wie beim letzten Mal ist die Zeit viel zu schnell vergangen. Wir haben vermutlich wieder viel mehr bekommen als wir geben konnten und sind unglaublich dankbar und glücklich über die zweiten gemeinsamen zehn Tage 😊😊

Westcoast

Auf der Fahrt nach Queenstown übernachteten wir auf einem echt coolen, liebevoll gepflegten und trotzdem kostenlosen Campingplatz in Lumsden am alten Bahnhofsgebäude. Erschreckend war leider der Zettel auf der Toilette: Camper sollten diese so verlassen, wie sie sie vorgefunden haben und bitte nicht das Waschbecken zum Haare waschen und Geschirr spülen nutzen. „Bitte zeigt doch, dass ihr nicht dreckig seid…“ WTF?! Da schäm ich mich fremd. Aber wie wir leider des Öfteren feststellen mussten, wissen manche definitiv nicht, sich zu benehmen. Wie in Bali: Es ist nicht das Zuhause, also ist benehmen wie die Schweine ok. Man ist ja morgen wieder weg. Kein Wunder, dass Camper an manchen Orten langsam unerwünscht sind oder es ein Haufen Geld kostet. Vielen Dank auch!

Unser nächste Ziel war praktisch der Weg: die Straße hoch zu den Remarkables, einem Skigebiet bei Queenstown. Diese ist eine der steilsten der Welt – aber wir fuhren sie nicht bis zum Ende. Das wollten wir der Serena nicht antun. Aber die Aussicht bis zur Wolkengrenze war fantastisch.bimostitch_pano_1-01-4270x1592

bimostitch_pano_2-01-4270x1080

Ein bisschen neugierig waren wir auf Queenstown, immerhin soll es DIE Stadt auf der Südinsel sein. Aber ganz ehrlich: teure Geschäfte, Massen an Touristen und noch teurere Aktivitäten – das wars. Sicher, der Blick auf den See und der Park ist schön. Aber ansonsten ist es nichts besonderes. Deswegen wurde es nur ein Kurzbesuch auf dem Weg nach Glenorchy.

bimostitch_pano_3-01-4270x1306

bimostitch_pano_4-01-4270x1230

Nachdem Mario der Serena den Ersatzschuh anziehen musste, da auf der Innenseite eines Reifens schon das Stahlgeflecht durchschimmerte, bestritten wir am nächsten Tag das andere Ende des Routeburntracks. Bei super Wetter und mit vergleichsweise leichtem Rucksack ging es los. Es herrschte rege Betriebsamkeit auf dem Track, die Vorbereitungen auf die Great Walk Saison (startet auch hier am 24.10.) waren in vollem Gange und wir konnten bei unserer Mittagspause an der Routeburnflat Hut einem Hubschrauber beim Landen und Auf- und Abladen von Gegenständen zusehen; neben der fantastischen Kulisse ein Highlight. Vor allem weil wir es nach dem doch etwas steileren Anstieg zur Routeburn Falls Hut nochmal erleben durften. Coole Sache. Und die Aussicht oben von den Wasserfällen hinab – superb. Nach 6,5 h und ca. 18 km kehrten wir erschöpft, aber durchaus zufrieden zum Auto zurück.

Am nächsten Tag wollten wir Saruman in seinem Turm besuchen. Aber leider war er nicht Zuhause und der Turm nicht zu sehen. Trotzdem ist zu erahnen, dass dieser Ort Isengard aus Herr der Ringe darstellt.

bimostitch_pano_1-02-6461x1857

Ein wenig erschöpft von den letzten Tagen gönnten wir uns etwas Wellness. Ein heißer Pool im Queenstowner Schwimmbad war da Luxus pur. Danach konnten wir uns im Goldgräberstädtchen Arrowtown mit Überresten einer chinesischen Siedlung etwas bilden. Es folgte Wanaka, ein kleines Städtchen, ebenfalls im Touristenboom gefangen. Allerdings nicht so extrem wie Queenstown und die Menschen waren wieder freundlich. Während unsere Wäsche wusch, bummelten wir ein bisschen durch die Straßen. Später, am Übernachtungsplatz angekommen, wanderten wir zu einem Aussichtspunkt mit Blick über Lake Diamond, Lake Wanaka und die Stadt.

So und dann war es mal wieder soweit. Ein Highlight, wie wir es auf unserer Neuseelandreise noch nicht hatten. Der Rob Roy Gletscher. Mit gratis Live-Lawinenvorstellung.

Zur Feier des Sonntages probierte Chefkoch Mario etwas ungewöhnliches: Topfkuchen. Der leider nicht ganz so wollte wie er. Irgendwann gerät auch die beste Campingküche an ihre Grenzen; die nächste bekommt halt einen Backofen.
Seine Laune besserte sich deutlich am nächsten Tag. Der Lake Hawea eignete sich nämlich durch vollkommene Windstille hervorragend zum Steine fidscheln. Beweisfoto:

Leider hielt dann mal wieder das Wetter nicht durch und wir überquerten den verregneten Haast Pass zur Westküste. Zur Mittagspause am Ship Creek hellte sich der Himmel wieder auf. Und es blieb auch schön. Was perfekt war für den Besuch in aller Herrgottsfrühe am Fox Glacier. Wir waren die Allerersten. Ohne Hubschrauber und andere Menschen erkundeten wir das beeindruckende Tal mit dem ewigen Eis. Später am Nachmittag beim Franz Josef Gletscher sah das dann wieder ganz anders aus. Das konstante Dröhnen im Ohr und das Dauerüberholen größerer Touristengruppen tat der Schönheit dieses Gletschers keinen Abbruch. Außerdem waren wir ziemlich begeistert vom Blick auf den Lake Matheson und die dahinterliegende Bergkette, aus der u.a. der Mount Cook hervorragt. Und am Gillespies Beach waren wir den Goldsuchern und Minenarbeitern mal wieder auf der Spur.

In der Nähe von Harihari wollten wir in heißen Quellen baden. Diese waren nicht so verlockend, also führte die wilde Fahrt zur Hokitika Gorge. Meine Güte, die Wasserfarbe erinnert mich voll an Eisbonbons.

Auf dem Weg nach Greymouth betrieben wir ein wenig Namensrecherche. Warum nennt man eine Stadt „Graumund“? fragte der kleine Mario noch. Weil sie hier früher Kohle abgebaut haben und die Abfälle in den Grey River kippten und die Stadt an der Flussmündung ins Meer liegt. Tadaaa! Günstig an der Energiequeele siedelten sich zahlreiche Fabriken an. Wir besichtigten eine mittlerweile verfallene Ziegelmanufaktur, die neben allerhand Historie schöne Fotomotive bot. Um meinen Intellekt weiter auszuweiten, tauschte ich im Kühlschrank an der Straße Bücher. Eine tolle Sache ist das mit den Büchern: Entweder hauen Bibliotheken ihren angestaubten Bestand teilweise umsonst raus oder auf Campingplätzen gibt es sie zum Tauschen oder Backpacker schenken einem eins. Da man eh nicht so viele mit sich rumschleppen kann, ist das Loslassen einfacher. Ok, ja Mario, wir hatten zwischendurch eine kleine Bibliothek im Verlies… Das kann gleich mit in die Verkaufsbeschreibung Serenas: Neben Küche, Schlaf-, Wohn- und Badezimmer auch Bibliothek. Das steigert den Verkaufswert bestimmt nochmal. Das und die neuen Reifen, die wir uns in Greymouth leisten mussten, da die alten die hier zulässige Profiltiefe von 1,5 mm mittlerweile deutlich unterschritten. Ich glaub der Reifenhändler dachte wir sind bescheuert, zumal wir auf allen Reifen zu wenig Luft hatten.

bimostitch_pano_1 (1)-01-1961x632

bimostitch_pano_2-01 (1)-1961x891

Zum scheinbaren Start der Motorradsaison fuhren wir zu den spektakulären Pancake Rocks und den zugehörigen Blowholes. Wir hatten Glück, dass grad Flut war und das Wasser noch schöner „reinplatschte“. Inspiriert vom gesehenen gab es zum Mittagessen erstmal selbstgemachte Pfannkuchen.

In Westport begaben wir uns auf unser erstes kleines Straßenfest (vermutlich anlässlich des Labourdaysvam 23.10.) und verbrachten diese und die folgende Nacht auf einem Kinoparkplatz. Weiterhin erkundeten wir die Küste in Richtung Karamea mit einem kleinen Schiffswrack, einem Tunnel ohne versprochene Glühwürmchen und die Oparara Arches. Das war auch wieder sowas. Da denkst du echt, du hast mittlerweile alles gesehen in Neuseeland und dann das.

bimostitch_pano_9-01-6275x1951

Fiordland

Das große Wandern

In der letzten Episode wurde es angeschnitten: Wir waren im Fiordland National Park angekommen 😎 Wer jetzt super neugierig war, hat durch den besten Freund Google schon rausfinden können, dass dieser eines der Aushängeschilder Neuseelands besitzt, den Milford Sound. Dort wollten wir es auch endlich tun: Einen Great Walk wandern, für mehrere Tage, mit Hüttenübernachtung und so. Leider sind diese Great Walks (neun gibt es in Neuseeland) auch mittlerweile ziemlich populär bzw. auch groß in ihren Preisen. Eine (!) Hüttenübernachtung kostet in der Saison 70$ pro Person. Gut, dass wir noch außerhalb dieser waren, denn erstens ist die Saison 2017/18 für den Milford Track schon komplett ausgebucht und zweitens kostet es nur 15$ pro Person pro Nacht. Allerdings sollte man eine Eisaxt mitnehmen und ein Notfall Ortungsgerät. Und verschiedene Brücken gibt es im Winter auch nicht, sodass Flussdurchquerungsfähigkeiten notwendig sind. Als die Infotante all das von sich gab, wurden Franzis Bambiaugen immer größer 😢 Sie würden den Park nicht schließen, aber wenn die Leute unbedingt gehen und sterben will….oooookaaaay, halt stopp. Ach, und da es kein Rundweg ist, bezahlt man auch noch für Fähren und Shuttles 190$ pro Person. Und tschüss 😤 Traurig waren wir schon. Aber mal ganz ehrlich, diesen Kommerz wollten wir nicht fördern.

Gott sei Dank bot sich der Kepler Track noch an, ein Rundweg mit einem Anfangs- und Endparkplatz. Also, endlich mal wieder die Rucksäcke aus dem Verlies (der Kasten unterm Bett im Auto) geholt und noch schnell einen Gaskocher (den absolut allerletzten im Verleih) und ein Notfallortungsgerät ausgeliehen – ja, das war meine Bedingung – und los gings. Und zwar richtig 😊

Tag 1: -> Car Park zur Luxmore Hut (13,8km)
Dass wir unsere Rucksäcke schon länger nicht getragen hatten, merkten wir bereits auf gerader Strecke. Puh und dabei wollten wir an diesem Tag 800 Höhenmeter (von 200 auf 1083m) überwinden. Das konnte ja heiter werden. Wir würden bestimmt länger als die veranschlagten sechs Stunden in unserem Schneckentempo brauchen. Aber gut, wir wollten uns schließlich nicht direkt am ersten von vier Tagen verausgaben. Trotzdem wurde ich das Gefühl nicht los, auf dem wirklich für neuseeländische Wege wahnsinnig breiten Gehweg ein Schwerlasttransporter auf der Autobahn zu sein. Meine Birne glühte schon wieder wie das dazugehörige Blinklicht und ständig rannten verrückte Jogger an uns vorbei 😧. Halleluja, die trainierten mit Sicherheit für das anstehende Rennen über den gesamten Track. Das findet jedes Jahr statt und der Rekord liegt bei 4 h 10 Min. Für 60 km berghoch und bergrunter. Wie würde Obelix jetzt sagen: Die spinnen, die Neuseeländer…
Aber wir gaben nicht auf und setzten einen Minischritt vor den anderen. Bis wir plötzlich am Ende des Waldes ankamen und uns mit einem Schlag wieder bewusst wurde, warum wir uns das antun:

In der Hütte angekommen stellten wir zum einen fest, dass wir 30 Minuten schneller waren mit 5 ½ Stunden und zum anderen, dass doch ein Ranger in der Hütte war und es deswegen Strom sowie fließendes Wasser gab. Was für ein Luxus. Stolz händigte ich dem Ranger neben unseren Hüttentickets die Zeitung des heutigen Tages aus (die Campingutensil-Verleih-Tante hatte sie mir mitgegeben, aber ich habe ihr nicht geglaubt) und wir trafen neben den drei deutschen Jungs, die wir zuvor auf dem Campingplatz kennengelernt hatten, auch noch andere Wanderer. Insgesamt schliefen 11 Leute in der zugegeben eiskalten Hütte. Wir gingen nach dem Abendessen noch ein bisschen in Richtung Gipfel und genossen die fantastische Aussicht bei schönstem Wetter.

Tag 2: Luxmore -> Iris Burn Hut (laut Broschüre 14,6km, irgendwie sind wir aber 18km gelaufen)
Glaubt ihr mir, wenn ich euch sage, dies war einer der außergewöhnlichsten aber auch schwierigsten Tage in meinem Leben? Ich hätte jedenfalls nicht in Marios Haut stecken wollen zwischenzeitlich 😖
Aber von vorne: Nach einem erholsamen Schlaf, einem tollen Sonnenaufgang und gestärkt von einem reichlichen Frühstück machten wir uns auf in Richtung des Gipfels von Mount Luxmore. Das tolle Wetter von gestern blieb uns leider nicht erhalten, der Himmel war mit Wolken zugezogen. Aber wir hatten vereinbart, es zu probieren und notfalls umzukehren. Der aufkommende Wind zwang mich dazu, mir mitten auf dem buschlosen Weg eine Strumpfhose anzuziehen. Als wir uns an der Abzweigung zum Gipfel befanden, war dies auch der Gipfel meiner aufquellenden Gefühle. Eisiger Wind, Wolken, ein schmaler Gehweg mit einem überladenen Rucksack und die Aussicht, dass falls etwas schiefgeht, heute niemand diesen Weg hinter uns gehen wird, führten zur absoluten Frustration. Die Einsamkeit auf dem Weg hatte dadurch etwas Gutes. Ich konnte ungestört heulen, fluchen und schreien wie eine Irre 😭 Erstes Opfer: Ein Kea Vogel. Als Mario an einem seitlichen Abstecher den Gipfel des Mount Luxmore bestieg und ich auf seine Sachen aufpasste, versuchte dieser jedes Mal, wenn ich ihm beim Rumlaufen (sonst wäre ich festgefroren) den Rücken zudrehte, in den verdammten Rucksack zu kommen?! Scheiß Touristen ehrlich, die den Vogel füttern. Halloooo, der ist in seiner natürlichen Umgebung, der braucht kein Menschenessen…
Naja, genug dazu. Der Weg wand sich weiter an den folgenden Bergspitzen entlang und drüber hinweg und wir uns mutig hinüber. (Leute: glaubt niemals einem Höhendiagramm der Flyer hier, die hat offensichtlich ein Kind gemalt!) Trotz der mentalen Ausfälle zwischendurch – besonders wenn es über den rutschigen Schnee ging und um eine Lawine – genossen wir die uns Gott sei Dank gegebene fantastische Aussicht ins Fiordland. Nach knapp 5 h standen wir am Waldrand, von dem es zügig in Richtung Hütte (auf 500 m) bergab gehen sollte. Nur komischerweise wurden aus den angekündigten 1 ½ h dann 2 h und am Ende waren wir nur noch froh, da zu sein. Der Weg wäre unter normalen Umständen bestimmt super schön gewesen, durch den supergrünen Wald und an glasklaren Flüssen vorbei. Aber wir hatten leider keinen Blick mehr dafür. Übernachtet haben wir zu dritt in der Hütte. Nur einer der Jungs ist da geblieben, die anderen beiden Irren sind noch zur übernächsten Hütte… Aber gut, wir genossen unsere wohlverdiente Pause am Kamin (Mario konnte endlich mal wieder Holz hacken).

Tag 3: Iris Burn -> Moturua Hut (16,2 km)
Mit dem Wissen, das Gröbste geschafft zu haben, ging wir etwas beschwingter Richtung der letzten Hütte. Größtenteils ging es durch den Wald und über Flüsse hinweg. Die entsprechenden Brücken waren doch entgegen der Ankündigung des Infocenters alle da. Wir passierten den „Big Slip“ – einen großen Erdrutsch von 1984 über 30 ha. Nach sechs Stunden Laufzeit erschöpft und mit brennenden Füßen am Haus am See (Lake Manapouri) an. Begrüßt wurden wir nicht von dem verbliebenen Deutschen (der ist bis zum Ende gelaufen…), sondern von einer vierköpfigen Familie. Es war Wochenende und ein anderer Parkplatz in der Nähe. Später kamen dann noch zwei Familien mit kleinen Kindern hinzu und ein weiterer Deutscher. Aus der anfänglichen Angst, das könnten zu viele Menschen sein, wurde ein angenehmer Abend mit Feuer am See vor spektakulärer Kulisse, gerösteten Marshmallows und netten Gesprächen.

Tag 4: Moturua Hut -> Kepler Car Park (15,5 km)
Es hieß, den Sack zuzumachen. Nach einem gemütlichen Cadlelightfrühstück führte ein angenehmer, zeitweise sich doch etwas ziehender Waldspaziergang uns durch eine Sumpflandschaft und am Waiau River entlang, dessen Flussbett doch sehr beeindruckend war. Der Wettergott war heute wieder sehr gnädig mit uns – strahlender Sonnenschein und fast wolkenloser Himmel machten den Gang mit immer mehr ermüdenden Gliedern doch etwas leichter. Als nach fünf Stunden der Staudamm am Lake Te Anau in Sicht kam, war es wie Weihnachten, nur noch besser. Wir hatten es geschafft!

Nachdem wir uns einen Campingplatz und unseren schon lange mitfahrenden Wein aus der Hawkes Bay gönnten 🥂, brachen wir zum Milford Sound auf. Die Straße dahin ist ein Erlebnis. Die Mirror Lakes, das Eglinton Valley und die Humboldt Falls waren schon beeindruckend. Aber der Aufstieg zum Key Summit (ja, weiter wandern hilft gegen Muskelkater!) als erster Abschnitt des Routeburn Tracks (ein weiterer Great Walk; Platz 10 der Weltrangliste) war schlichtweg atemberaubend.

Nach einer kurzen Nacht auf einem überteuerten DOC Campingplatz (an dieser Straße gibt es nichts anderes), waren wir ziemlich aufgeregt und neugierig. Aber manchmal ist es doch wie im Märchen und ein Ort auf der Welt nicht umsonst so berühmt 😰:

Southland

Am absoluten Tiefpunkt (natürlich nicht stimmungstechnisch 😎)

Nachdem wir die durch den Steampunk geprägte Innenstadt am Hafen Oamarus mit kleinen Galerien und schönen Häuserfassaden gewandert waren und diese damit zur bisher schönsten auf der Südinsel gekrönt hatten, unternahmen wir den ersten Versuch, Pinguine zu sehen. Leider mit nur geschätztem Eventuellerfolg („Mario, ich glaub, dort bewegt sich was… Siehst du denn nicht den kleinen Punkt?“).

Naja. Viel schöner war dagegen der Moment auf dem Parkplatz, als wir mit Klopapier eine kleine Ecke rechts unten auf der Heckscheibe von Staub und Dreck freiwischten und IHN anpappen konnten – den kleinen, blauweißen Sticker. Und den haben wir sozusagen auch in der ersten Nacht direkt benutzt. An der kleinen süßen All-Day-Bay, wo nur Self-Contained-Fahrzeuge zugelassen waren. Irgendwie fühlt es sich schon anders an, so in der Premium Klasse der Camper angekommen zu sein. Ihr habt ja Probleme, wird sich der eine oder andere jetzt denken… aber kommt mal nach Neuseeland Leute, dann ist das essenziell.

Auf dem Weg nach Dunedin stoppten wir an den Moeraki Boulders – runde große Findlinge am Strand, welche auf dem Einband unseres Reiseatlasses dargestellt sind. Witzig, denn wir habens erst vor Ort geschnallt. Mario konnte dort seine Kletter-und Akrobatikkünste unter Beweis stellen. Am Katiki Beach hatten wir leider wieder kein Glück mit Pinguinen, dafür aber am Shagpoint mit Seehunden. Und dann hat sich die praktische Campermate-App ungeplant wohlgemerkt wirklich mal ausgezahlt. Denn neben Camps, Wasser, WLAN u.a. Aktivitäten lotste sie uns noch zum Huriawa Pa Walk in Karitane. Und niemand war da. Nur wir. Sowas muss man genießen. Ich denke, wir haben einen absoluten Geheimtipp entdeckt oder?

In Dunedin angekommen, mussten wir erstmal duschen. Diese Apparatur fehlt uns noch im Auto, um zum Premium Plus im Camperleben aufzusteigen 😉 Gute Idee! Danke an mich selbst – geb‘ ich gleich an den Chefingenieur hier weiter. Sie nennen ihn alle nur flüsternd den Super Mario 😉

Dunedin ist eine wirklich schöne Stadt und schottisch geprägt. Die ersten Siedler hier waren aus dem europäischen Land oder Gebiet, an das wir uns hier auch so sehr oft erinnert fühlen  Hach: Schottland! 😊 Nachdem wir die dazugehörige Otago Peninsula erkundet hatten (hier gibt es Neuseelands einzige Albatross Festlandkolonie – leider sind die Eintrittspreise auch dementsprechend einzigartig…), stromerten wir ein bisschen durch die Straßen der Stadt, gingen in die Kirche, bestaunten den Bahnhof, rätselten in der Art Gallery teilweise wieder über den Sinn zeitgenössischer Kunst, erkundeten die verschiedenen Street Art Bilder an den Häuserfronten, aßen Cheeseburger und tranken teuren Kaffee in einem Laden, der verdammt nah an die der Dresdner Neustadt rankommt und uns deswegen jeden Cent wert war.

Auf dem nächsten freien Campingplatz war dann doch zu merken, dass langsam die Touristensaison wieder losgeht. Camper und ihre Vans (deren Verleihfirmennamen fast das ganze Alphabet komplettieren) kämpfen um jeden freien Platz. Jede Minute ist entscheidend. Vor allem, wenn die kostenlosen Plätze so dünn gesät sind. Herrje..

Nun waren wir unten angekommen. Nicht am unteren Ende der Nahrungskette oder so, sondern am südlichsten Punkt der Südinsel, dem Slope Point. Aber beginnen wir mit dem Weg dahin. Bis jetzt waren wir nicht wirklich erfolgreich im Pinguine sehen. Nachdem wir am Nugget Point weder Gold noch die kleinen Tierchen sowie große Seelöwen entdecken konnten, katapultierte uns die Curio Bay mehrere Millionen Jahre in der Geschichte zurück. Dort ist durch ehemalige Ascheablagerungen von Vulkanausbrüchen ein versteinerter Wald zu bewundern. Zwar sind nur die Baumstümpfe übrig, aber immerhin. Aber, was ist denn das? Der Baumstumpf dort hinten bewegt sich ja?! „Mariooooo, ein Pinguin! Wie süüüüß, guck mal!“ Dann wurde sich an das possierliche Tierchen heranbewegt. Ein wenig merkwürdig war es schon, denn Pinguine kommen meist erst zum Sonnenuntergang wieder ans Ufer zurück. Dann stellte sich heraus, dass der Arme nicht nur lustig watschelte, sondern auch weniger lustig humpelte. Franzi hätte ihn am liebsten mit in ihren fahrenden Zoo gepackt, aber Mario musste dies aus Platzgründen mal wieder ablehnen. (Lämmern, Küken, Pfohlen und anderen Tierchen wurde die Adoption leider auch schon verwehrt.) Nachher folgte noch ein kurzer Spaziergang zu den McLean Falls und dann war es soweit. Wir erreichten den Slope Point und fanden es zum Übernachten schön.

Es wäre auch noch weiter südlich gegangen: Von Bluff aus ist ein Ausflug zur Steward Island, der dritten Insel Neuseelands, möglich. Allerdings benötigt der Reisende (, den dann auch nur der „übliche Wald“ erwarten soll,) mal wieder ein großes Portemonnaie dafür, sodass wir uns damit begnügten, die Insel von weiten zu bestaunen und zwischen Unmengen an asiatischen Touristen und „Fotomodels“ Bilder vom Wegweiser am Stirling Point zu machen.

DSC04613-01-3214x1987

Invercargill als tiefste wirklich große Stadt auf unserer Südinsel Tour bekam nur eine Stippvisite fürs Duschen, WLAN, Einkaufen und Stillen sonstiger Grundbedürfnisse.

Am nächsten Tag ging das Wetter erstmal in eine Verschnaufpause. Regen und Wind machten das Aussteigen aus dem fahrenden Zuhause eher ungemütlich. Am schaumige gepeitschten Edelsteinstrand versuchten wir trotzdem unser Glück, leider überraschte uns eine Welle von hinten und der kleine Mario bekam eine gratis Schuh – und Fußreinigung. Nach diesem „Opfer“ war der Wettergott wieder gnädig und wir konnten uns die Clifden Hängebrücke in Ruhe anschauen. Marios Laune besserte sich später erheblich, als er in dem Kalksteinhöhlenlabyrinth (mit unterirdischem Pool!) des Ortes verschwinden konnte, während Franzi tapfer das Auto gegen alle Feinde bewachte. Beide kamen lebend aus ihrer Situation heraus, um nach einer verdienten Nachtruhe einen Lookout am Lake Hauroko besteigen zu können.

Womit wir somit im Fiordland National Park angekommen wären, dem wohl bekanntesten Park in Neuseeland. Mehr dazu in der nächsten Episode…

DSC04828-01-3214x1381