Australia II

Cairns, Brisbane & Gold Coast

Es ging nun Schlag auf Schlag. Jetstar beförderte uns zurück nach Australien und setzte uns in Cairns ab. Ausgedörrt machten wir uns auf den Weg in die Stadt – es ist verboten, selbst nach dem Security Check erworbene Getränke mit an Bord nach Australien zu nehmen und für ein Vier-Dollar-Wasser sind wir dann doch zu geizig… Und ja, wir wollten mal wieder zu Fuß gehen.

Da die Stadt nicht besonders groß ist, liegt der Flughafen jedoch mitten in der australischen Pampa mit nem Highway ohne wirklichen Fußweg (in Australien geht scheinbar niemand gern zu Fuß…) Ihr könnt euch Franzis Gemütszustand vorstellen, immerhin gibt es SIE hier überall: den absoluten Endgegner – Schlangen. Jeder Ast bzw. Grashalm war deswegen äußerst verdächtig. Zum Glück gabs wenigstens den Highway Standstreifen, lieber überfahren als vergiftet. Aber wie das Leben manchmal so spielt (oder Franzi hat super verzweifelt ausgesehen)… Es hielt doch tatsächlich jemand einfach so an und bot uns ne Mitfahrt in die Stadt an. Sind doch nett, die Australier.

bimostitch_pano_3-01-6391x1736

Nach einem kleinen Nickerchen im Hostel hieß es erstmal stundenlang den Kopf zerbrechen, was wir nun die nächsten Tage so machen. Wir waren hier, um das Great Barrier Reef zu sehen, aber wie? Gefühlte 150 Anbieter mit saftigen Preisen machten die Auswahl nicht gerade leicht. Schlussendlich fiel die Wahl auf das All-Inklusive-Paket mit Probetauchen und fünf Stunden Schnorcheln. Da das aber so teuer war, entspannten wir uns bis dahin sehr intensiv & günstig und genossen das täglich kostenlose und leckere Abendessen der Bar unter dem Hostel. Scheinbar ist der Konkurrenzkampf unter australischen Hostels ziemlich groß, überall gibt es kostenloses Essen.

Am Tag des Ausflugs platzten wir anfänglich vor Aufregung. Später änderte sich das Gefühl: Solltet ihr jemals so einen Ausflug mit einem so schnellem Schiff bei starken Wellengang machen: Nehmt Reiseübelkeitstabletten!! Wir haben das auf der Hinfahrt ziemlich unterschätzt und bitter bereut. Aber ansonsten war es wunderschön. Aber überzeugt euch selbst:

Am letzten Tag in Cairns beendeten wir das, was wir am ersten begonnen hatten. Wir liefen zum Flughafen mit einem kleinen Umweg über den süßen botanischen Garten von Cairns. Es wurde wieder überall eifrig nach dem Todfeind Ausschau gehalten, aber auch dieser Weg war frei von Reptilien.

Nächster Stopp: Brisbane. Kurz nach 22 Uhr gelandet, den Shuttlebus geschnappt (die S Bahn kostet hier wieder $ 18 pro Person, nur der Weg zum Flughafen, schön abzocken ..da ist der Shuttle-Bus mit $ 25 für zwei wesentlich günstiger) und kurz vor Rezeptionsschluss noch eingecheckt. In ein 16 Personen Zimmer. Ja gut, in Cairns waren wir zu acht und in Sydney zu sechst, aber 16 ist dann doch ein anderes Kaliber. Da nimmt niemand mehr Rücksicht. Doof, als letztes anzukommen, da gibt’s bloß noch das Bett an der Tür…. Ich hab noch nie so gerne jemanden töten wollen. Auch, das wer im falschen Bett über mir liegt, wurde nachts halb eins zu acht ausdiskutiert. Potentielle Liebespäarchen haben ihren Spaß. Ohne Vorhang , ohne Lautstärkeregler. Achja, in Cairns meinte eine junge Dame ihre Spielchen im Bett ihrer Freundin mit nem Typen austragen zu müssen – mitten in der Nacht bei vollem Zimmer. Damit aber nicht genug: Am nächsten Tag wurde wirklich jedes Detail dieser Bekanntschaft ohne Hemmungen besprochen. Wir wissen jetzt Bescheid. Lieber Unbekannter, du scheinst gut ausgestattet zu sein und sie liebt dich auch, aber sie weiß noch nicht so Recht ob das was wird mit euch beiden. Alter, geht’s noch?! Wen interessiert es? Was stimmt denn mit euch nicht? Man wünscht sich manchmal echt, man könnte kein Englisch.

Aber gut: Unseren ersten Tag in Brisbane verbrachten wir damit, ein bisschen die Stadt, den botanischen Garten und die South Bank anzuschauen. Letzteres ist wirklich der Hammer. Es ist zwar alles künstlich, aber das Stück Parkanlage, Regenwald und vor allem die riesige kostenlose Schwimmlagune ist schon ein Juwel inmitten der City. Vom Pool aus bietet sich ein Wahnsinnsblick auf die Skyline von Brisbane. Alles ist neu und liebevoll gepflegt, z.B. lädt ein üppiger Kräutergarten zum Pflücken oder einfach nur Kosten ein. Die Schwimmbecken sind sauber und bieten angenehme Erfrischung. Abends genossen wir noch das Lichterspiel der Stadt von der Dachterasse des Hostels aus.

Am nächsten Morgen, gestärkt nach dem erneuten kostenlosen Frühstück, machten wir uns auf zum beliebtesten inner – australischen Urlaubsziel: Der Gold Coast. Ich dachte ja, dass das einfach nur ein Strand mit ein paar Hotels ist, aber nein. Die sechsgrößte Stadt Australiens zieht sich mit ihren mega Wolkenkratzern an einem gefühlt endlosen Strand entlang. Wir bummelten ein bisschen durch die Straßen, genossen ein Bad im Meer und machten uns kurz vor Sonnenuntergang auf zum absoluten Highlight des Tages. Wir eroberten das Skypoint Observation Deck auf einem der höchsten Wolkenkratzer der Welt. Da Vollmond war, zahlten wir statt $ 25 p.P. nur $ 20 für zwei. Glück gehabt. Falls das jemand mal vorhat, der Blick in den Mondkalender lohnt sich. Ob sichs gelohnt hat? Vorhang auf:

Zum Tagesabschluss plagte uns doch ein wenig Heimweh. Wir aßen im Vapiano. Das war das erste Restaurant (abgesehen von McDonalds oder Burger King), was es auch daheim gibt. Anschließend waren wir versucht, ins Rundkino zu gehen. Aber stopp, wir sind nicht in Dresden.

Der letzte Tag in Australien war ziemlich unspektakulär. Chillen in der Lagune und die Fahrt zum Flughafen. Dort gab es einen kurzen Schreckensmoment. Die Airline würde gern unser Working Holiday Visa für Neuseeland sehen. Ähm, ok das liegt in Neuseeland, wir kommen von da?! Aber nein, ohne Visa keine Bordkarte (Die Airline müsste uns wieder mit zurücknehmen, hätten wir keins. Hat Emirates zwar bei der ersten Einreise auch nicht interessiert, aber gut.) Nach einem ziemlichen Hin und Her verschaffte uns schließlich Neuseelands Einwanderungsbehörde Abhilfe, in dem sie unsere Visa bestätigte. Danke, Neuseeland. Und tschüss, Australien!

Advertisements

Bali

Oh Bali,

du warst schon was Besonderes als Teil unserer Reise. Ganz anders als wir dich erwartet haben. Du bist nicht friedlich, kein Ort zum Besinnen. Zumindest nicht, wie sich dich viele vorstellen. Vielleicht warst du es einmal. Aber wie andere Orte der Welt leidest du furchtbar: Millionen Touristen wälzen sich wie ein Wirbelsturm dauerhaft über dich hinweg. Denn du bist gesegnet mit dauerhaftem Traumwetter. Was sie & leider auch deine Bewohner hinterlassen: Berge von Müll. Es wird nicht mal mehr versteckt, geschweige denn aufgesammelt. Sondern liegt einfach überall herum und niemanden stört es. Natürlich nicht in den feinen Hotels oder schicken Unterkünften, die sich in den Straßen aneinanderquetschen. Aber sobald ein Fuß aus der Tür gesetzt wird, ist es soweit: Plastik, Essensreste, Tüten soweit das Auge reicht.

Du wirkst erschöpft, mein Herz, ausgelaugt und ausgesaugt. Menschen, die mit dir umgehen, als wäre deine Schönheit selbstverständlich und unerschöpflich. Denn du bist wunderbar, an vereinzelten, versteckten Plätzen kann er noch gefunden werden: Der Frieden, den du in den Köpfen vieler ausgelaugter Sonnenhungriger verkörperst. Vermutlich nicht mehr lang, wie an so vielen anderen Orten auch. Es scheint sich wie eine Krankheit über die vielen linienförmigen Straßen von deiner überfüllten Hauptstadt in den ruhigeren Norden zu ziehen. Wie eine verblühende Blume. Die Blätter fallen bereits. Kann dich noch etwas retten?

Der Tourismus definitiv nicht. Deine Bewohner? Auch nicht. Die leiden genau wie du, versuchen krampfhaft, die letzte Rupie aus dir und deinen Besuchern zu ziehen. Wie uns jemand treffend verriet, denken sie nicht voraus. Sondern nur daran, den bestmöglichen Profit aus dem einen Geschäft zu schlagen. Das Problem ist: Viele Touristen wissen darüber Bescheid und sind abgeschreckt, etwas zu kaufen. Die meisten überfordert die Flut an Menschen, die auf einen einstürmen und keine Chance lassen, sich ruhig Dinge anzusehen. Natürlich sind die Dinge billig, aber den dreifachen Preis für Touristen? Kommt schon Leute, kein Wunder, dass ihr euch gleichzeitig beschwert, eure Familien hätten nichts zu essen. Wir würden gerne Sachen kaufen, aber ihr geht es falsch an. Wir fühlen uns verunsichert und manchmal auch etwas veralbert. Wir merken euch an, es hat nichts mehr mit Gastfreundschaft zu tun. Und das ist so wahnsinnig schade. Ihr seid auch erschöpft, könnt die Massen nicht bewältigen, die euer Paradies erstürmen. Das bricht eure Lebensfreude, wir sehen das.

Bali, wir haben viele deiner ehemaligen Schmuckstücke gesehen und konnten deren Flair erahnen. Leider ist er auch hier vertreten: der Schlund, der dich verschlingt. Tanah Lot & Uluwatu Tempel, Zeichen deiner wunderbaren Geschichte, toll für Fotos 

… (wenn keiner dazwischenspringt), aber was ist das? Ganze Städte an Verkaufständen, durch die sich der Einzelne kämpft, um am Ende…nicht wirklich irgendwo stehen bleiben zu können, ohne der Gefahr ausgesetzt zu sein, dass einen jemand anrempelt oder wegschiebt. Ruhe & Besinnlichkeit? Fehlanzeige.

Tirta Empul – ein wirklich heiliger Ort mit heiligen Quellen. Wunderschön anzusehen, mit solch einer Liebe zum Detail.

Genauso wie der Stacheldraht, der einen hindert, eine Abkürzung an den Verkaufsständen am Ende zu nehmen. Oder der Parkplatzwächter, der einen abkassieren will & auf unsere Nachfrage, warum die fünf anderen hinter uns nicht abkassiert werden, sich es anders überlegt.

Goa Gajah, ein Elefantentempel ohne Elefanten, aber dafür mit Segnung.

Tegallalang Rice Terraces – etwas, worauf ich mich sehr gefreut habe. Angekommen, abgestiegen, gestaunt: sie sind wunderschön.

Eintritt: keiner! Wahnsinn! Aber halt, was ist das? Ok, ein Spendenhäuschen. Kein Problem. Können wir ja vielleicht zum Schluss machen. Wie jetzt, ohne Spende kein Durchkommen? Traurig aber wahr. Gut, jetzt sind wir einmal hier. Gespendet, weiter gewandert im Trott der Massen, die sich hoch und runter wälzen und dann doch die wirklich tollen und gepflegten Terrassen bestaunt. Leider hielt das Staunen und die Freude nicht lange, denn auf einmal stand da ein weiteres Spendenhäuschen. Ok Leute, jetzt ist es wirklich seltsam. Wie oft sollen wir denn bitte noch „spenden“? Ein fester Eintrittspreis hätte es getan. Zumal spenden freiwillig ist und keine Pflicht.

Ein wirkliches Highlight ist Ubud. Da spürt man ihn noch, deinen Charme, liebes Bali. Natürlich ist es ebenfalls überlaufen und voll, aber den Menschen scheint mehr der Sinn nach kultiviertem urlauben anstatt Party machen zu stehen. Der charmante Ort, gesäumt von Restaurants und Geschäften in richtigen Häusern anstatt Blechhütten schafft es zu verzaubern.

Neben dem Genuss von fabelhaften und günstigem Essen reicht es schon, durch die Straßen zu wandern, um sich bspw. den Ubud Palace oder den Monkey Forest anzuschauen. Bei letzterem haben wir am Ende auf jegliche Accessoires verzichtet, wir wurden gewarnt, diebische kleine heilige Äffchen.

Östlich von Ubud befindet sich der Fledermaustempel Goa Lawah. Es lohnt sich, in einer kleinen Höhle können nach dem Kampf durch die Verkäufermassen die Tierchen in einer Höhle bestaunt werden. Allerdings war uns an diesem Tag die Lust aufs Sightseeing langsam vergangen. Meine Güte, muss einem auch wirklich jeder etwas verkaufen wollen?

Deswegen sollte sich am kleinen Strand der Blue Lagoon ausgeruht werden. Endlich mal wieder Meer. Leider… neben dem Anlegepunkt für Fähren. Deswegen wird wie immer in deinem chaotischen Verkehr ohne jegliche Regeln Engelsgeduld benötigt, kleines Bali. Gut, dass es Mario, den Mopedfahrer unseres Vertrauens gab. Dreimal darf nämlich geraten werden, was mit Franzi war…. richtig, selbstverständlich litt sie unter Todesangst. Aber wir haben überlebt. Auch das Leihmoped. Unbeschadet wie durch ein kleines Wunder.

Irgendwann dazwischen waren wir auch am Mount Batur, einem schlafenden Vulkan. Beliebt bei den Touristenmassen zum Sonnenaufgang. Wollten wir aber nicht, sondern lieber am Tag ganz in Ruhe und alleine, da ansonsten öfter mal eine Pause eingelegt werden muss, weil die Menschenmasse stoppt. Gott sei Dank gibt es Google Maps Rezensionen. Ohne gebuchten Guide oder zu bezahlen ist kein Durchkommen beim „Besitzer“ – andernfalls muss sogar mit Verfolgung gerechnet werden. Deswegen nur der Blick von weitem.

bimostitch_pano_1 (1)-01-3214x677

Liebes Bali, wir haben es versucht, haben immer nur halbtags Ausflüge gemacht, um die andere Hälfte in den tollen Unterkünften zu entspannen. Aber ob es nun Bau oder Straßenlärm war, so richtig hat es nicht funktioniert.

Ich glaube, mit dir ist es wir mit deinem Vulkan – du erträgst alles schlafend, aber möglicherweise erwachst du auch bald und kollabierst. Es ist nur eine Frage der Zeit.
Und das Schlimme ist, die Menschen sehen es, aber es ändert sich nichts. Mir kommen fast die Tränen bei soviel Arroganz und Ignoranz. Vor allem die Touristen sollten es doch besser wissen. Aber es ist ja nicht die eigene Haustür, vor der gekehrt werden muss.

Und irgendwann fliegt man ja auch nach Hause zurück und muss sich damit nicht mehr beschäftigen. Schön die Augen verschließen und auf den nächsten Urlaub warten.

Hoffentlich wirst du gerettet, du eigentlich so wunderschöne Insel.

Sydney

Nicht die Hauptstadt von Australien 😘

Auf ging‘s in den warmen Süden.. äh: Norden 😉 Der Flug von Wellington nach Sydney dauerte ca. 4 Stunden und verschaffte uns eine kleine Atempause von den vorherigen ereignisreichen Tagen der Vorbereitung. Gut gestärkt, durch zuvor günstig gekaufte Naschereien – im Flieger der Billigairline war ohne Kreditkarte absolut nichts zu erwarten – erreichten wir zum Sonnenuntergang Sydney. Die kostspielige Fahrt vom Flughafen bis zum zentralgelegenen Bahnhof Kings Cross verlief problemlos. Auch das Hostel war nach anschließenden Fußmarsch schnell gefunden. Wir hatten Glück: Es gab genau am Ankunftsabend Spaghetti gesponsert 😋 Unserer Ungeduld entsprechend mussten wir natürlich noch gleich in der Ankunftsnacht querfeldein durch verschiedenste Straßen vorbei am Tower Eye mit seinen anderen großen Kollegen zu DER Attraktion der Stadt spazieren: Dem Opernhaus 😊 Achja: Bei Nacht ist die benachbarte Harbour Bridge auch nicht zu verachten.

Am nächsten Morgen begrüßte uns zuallererst der ursprünglichste Aspekt unsers Urlaubs vom „Urlaub“: Das gute Wetter! Bei 25°, feinstem Sonnenschein und nach dem Genuss des täglich kostenlosen Frühstücks schlenderten wir durch die Royal Botanic Gardens, die von Wolkenkratzern gesäumten Straßen (mit Malls, Bürogebäuden, Museen & anderen historischen Gebäuden) und das Hafenviertel Darling Harbour. Vor dem Hafen entdeckten wir allerdings noch eine Perle: Eine kleine Mall auf der Hunterstreet (der Name macht‘s einfach) mit winzigen Essensständen zu unschlagbaren Preisen. Wir futterten uns hier in den Tagen durch die taiwanesische und die japanische Küche.

Den Tagesabschluss bildete ein Marsch über die Harbour Bridge, von der aus wir gleichzeitig bei guten Ausblick einer angekündigte Projektion auf den Schalen des Opernhaus zusehen wollten. Wollten… leider fand diese nicht statt – warum auch immer. Aber der Blick auf die Skyline bei Nacht entschädigte ein bisschen.

bimostitch_pano_1 (1)-01-5477x1642

bimostitch_pano_10-01-5477x1627

DSC01432-01-5477x3345

Das erste Ziel des darauffolgenden Tages war der Bondi-Beach. Eine Busfahrt durch die Metropole stand an, die wir dank Verständigungsproblemen mit einem asiatischen, sehr gestressten Busfahrer kostenlos bekamen. Am Ziel genossen wir die milde Brise, den warmen Sand unter den Füßen und starteten den Coastal-Walk. Den Nachmittag verbrachten wir im Stadtviertel Chinatown mit Sydneys Paddy’s Market – einem Ort zum Lebensmittel, Klamotten, Tourikram, Spielzeug, Kitsch und Skurriles kaufen 🤑

Und schon sind wir am letzten vollen Tag unseres Sydneybesuchs angelangt. Auf dem Plan stand ein Besuch der Art-Gallery of NSW (New South Wales). Die Bereiche zu den Themen Asien und Aborigines überzeugten sehr und hinterließen bleibende Eindrücke. Die Abteilungen Europa und Fotografie konnten uns dagegen nicht vom Hocker reißen. Nachmittags heuerten wir an einem Schiff an ⛴ Ne Fähre mit der Richtung Manly-Beach sollte es sein. Neben hohen Wellen für Surfer fiel der riesige Strand für uns eher unspektakulär aus. Wir sind zu verwöhnt von neuseeländischen Idyllen 😉 Aber auch hier konnte man eine kleine Wanderung beginnen, die uns wenigstens einen minimalen Einblick in die australische Natur ermöglichte.

Wieder in Sydneys Hafen „The Rocks“ eingeschippert, verabschiedeten wir uns ein letztes Mal vom Opernhaus und konnten zufälligerweise doch noch bunte Projektion mit dem Namen „Badu Gili“ auf den kleinen Schalen des Restaurants einfangen 😊 Bilder davon zeigen wir davon jetzt hier lieber nicht, weil wir uns nicht wegen den Rechten sicher sind 😅, aber es gibt ein tolles Youtube-Video davon: https://youtu.be/4H6GvmIHPaA

Am Abreisetag stand eigentlich nur noch der Weg zum Flughafen auf unserer To-Do-Liste. Da wir ohnehin noch nicht südlich des Stadtzentrums waren, entschieden wir uns zu laufen, um auch hier noch einen Eindruck zu bekommen und das unverschämt teure U-Bahn-Ticket zu sparen. Leichte Frustration und Angst den Flieger zu verpassen, stellte sich ein, als wir nach den geplanten 1 ½ Stunden erst das falsche Ende des Flughafens erreicht hatten. Für internationale Flüge ging der Fußmarsch für uns weiter.. Noch eine geschlagene Stunde.. Sogar direkt unter der Einflugsschneise hindurch. Aber am Ende ging doch alles gut aus und wir konnten erleichtert abheben 😊🛫

 

Paraparaumu Beach

Vorhof zu Windy Welly (für Nichtneuseeländer: Wellington 😉)

Wieder einmal gab es eine Einladung über unser Helpx-Profil, die uns auch ganz gut in den Kram passte. Mittlerweile werden wir nämlich wahllos zu Plätzen eingeladen, die gar nicht auf unserer „Wunschliste“ stehen. Die Leute lieben uns 😆 Bei unserem bisher längsten Aufenthalt an einem Helpx-Ort sollte es auch ein bisschen anders werden. Die Hälfte der Zeit galt es einen bengalischen Tiger in Schach zu halten, während die eigentlichen Besitzer Haus, Hof und Hund eines Familienmitgliedes im Dorf hüteten.

bimostitch_pano_1-01-1462x535

Aber der Reihe nach: Nach unserer Abreise von Peter ging es bei bestem Wetter zuerst einmal über das Örtchen Bulls (mit einer Vielzahl von Antiquitätenläden) nach Palmerston North. Dies sollte, laut bisherigem Gastgeber Peter kein schöner Ort zum Verweilen sein, was wir so aber nicht bestätigen können. Verglichen zum verschlafenen Whanganui, wirkt die Innenstadt großzügig, modern und vor allem belebter. Danach stand ein kleiner Schlenker über Foxton an. Im Zentrum der immigrierten Niederländer lud eine hölzerne Windmühle zum (vorallem: Marios) Staunen ein.

Bei Juanita und Andrew angekommen, dauerte es nicht lange, bis sich uns Raubtier Ollie vorstellte. Während der Zeit, in der wir das 10-monatige „Baby“ gesittet haben, lernten wir eine Menge an Eigenschaften und Marotten kennen, die sich laut Wikipedia sogar 1:1 auf die Rasse übertragen lassen 😆 Die Liebe zum Wasser beispielsweise äußerte sich im ständigen Abschlürfen des tropfenden Wasserhahns der Badewanne oder dem ehrfürchtigen Anstarren der Eiswürfelmaschine am Kühlschrank. Dem Apportieren von winzigen Frisbees wurde er auch nur schwer müde. Der Dauerbrenner: Die Jagd-des-Laserpointer-Punktes funktionierte natürlich auch hervorragend bei der verspielten Miez.

Neben der sozialen Arbeit mit Ollie mussten natürlich weitere wertschöpfende Aufgaben erfüllt werden 😉 Wie z.B. wieder einmal Löcher graben. Neuseeländer scheinen das zu lieben. Diesmal mussten wir eine Menge Ziegelsteine unter die Erde bringen, einfach nur damit sie weg sind. Andere Aufgaben waren: Regenrinnen am Haus erneuern bzw. Putzen, ein Stück der Auffahrt betonieren, die Bude und den Garten auf Vordermann bringen, den Geschirrspüler reparieren, Massen an Feuerholz bewegen, einen Anhänger wieder Tüv-fähig machen, Essen kochen, und und und… Ach und ein altes Schaukelpferd wurde von Andrew für die Enkelin restauriert, was dann frisch grundiert darauf wartete in ein Zebra umgemalt zu werden. Statt einem simplen Streifenmuster wurden dabei die Erwartungen übertroffen, sodass Mario später während eines süffigen Billiardabends mit Freunden liebevoll zu „da Vinci“ umgetauft wurde.

Wanderungen durch die Natur standen natürlich auch dieses Mal wieder auf dem Plan. Leider machte uns dieses Mal das Wetter ziemlich oft einen Strich durch die Rechnung. Und wenn nicht das, dann der Wetterbericht, wegen dem man nicht selten daheim blieb, weil unwetterartige Regenfälle angekündigt waren, die dann aber nie auftauchten. 😥 Der schönste Track der Umgebung, den auch schon alle vorherigen Helfer erkundeten, fiel für uns auch aus, weil eine dazugehörende Hängebrücke nicht passierbar war. Hängebrücken.. 😒 wir hatten bisher noch nie Glück mit Touren die welche haben. Trotz vergleichsweise schlechtem Wetter bewerkstelligten wir kleinere Walks an den naheliegenden Stränden Otaki- und Waikawa-Beach, dem Queen Elizabeth Park und einer Farm namens Whareroa und hatten dabei tolle Ausblicke auf die naheliegende Kapiti Island.

Die eine Autostunde südlich gelegene Metropole Wellington besuchten wir natürlich auch mehrmals. Das war auch nötig, um wenigstens einen groben Einblick zu bekommen. Den buchstäblichen Überblick bekamen wir auf Mount Victoria. Außerdem verbrachten wir an insgesamt drei Tagen zahlreiche Stunden im Landesmuseum Te Papa, fuhren das Cable Car durch bunte Tunnel hindurch zum Botanischen Garten, und gingen ins Parlament, welches als „Beehive“ (Bienenstock) bekannt ist. Zum ersten Mal seit Auckland stellte sich mal wieder das Großstadtgefühl ein. Wir sind zwar wegen der Natur in Neuseeland, aber wir genossen trotzdem das aufgeregte Treiben 😊

Tja und gegen Ende der 16 Tage, wurde die kleine Serena für die Reisepause fertig gemacht, unseren gut genutzten Rucksäcke geflickt, gepackt und gewogen, sodass wir uns auf die Flucht vor dem neuseeländischen Winter begeben konnten. Schon komisch mit der (vorerst) letzten Helpx-Stelle diese kontaktreiche Art des Reisens zu beenden.

20170816_140551-01-2283x1435

W(h)anganui

Es hieß mal wieder Abschied nehmen. Der uns diese Woche definitiv schwerer fiel als letztes Mal. Mit lieben Wünschen, Honig, Mandarinen und Quiche wurden wir von Karen & Chris wieder in die weite Welt entlassen. Wir nahmen den Küstenhighway, der uns an dem westlichsten Rand der Nordinsel inkl. Leuchttürme, Schiffswrack und einem Museum vorbei sowie an verschiedenen Lookouts entlang führte. Mount Taranaki hüllte sich dabei wie fast immer in Wolken.

Am Abend empfing uns Gastgeber Peter in seinem liebevoll renovierten Haus im (extrem) englischen Stil in Whanganui. Das H wurde erst kürzlich im Zuge der Wiederbelebung der Maorikultur in Neuseeland zum Stadtnamen wieder hinzugefügt. Bei Kaffee und Kuchen plauderten wir wie in den nächsten Tagen ausgiebig über Gott und die Welt. Peter erzählte dabei viele witzige Geschichten über seine Erfahrungen mit Helfern, Nachbarn, Erdbeben, etc.

Unsere Vereinbarung dieses Mal war zwei Stunden Arbeit für Unterkunft. Verpflegt haben wir uns selbst, was vor allem Chefkoch Mario, der mal wieder tätig werden konnte, sehr genoss. Peter benötigte unsere Hilfe vor allem im Garten. In den folgenden Tagen gruben wir Löcher, den Garten um, Pflanzen aus bzw. wieder ein und strichen Türen.. Mario konnte erneut seine Fähigkeiten unter Beweis stellen, indem er den süßen Oldtimer des Gastgebers wieder zum Laufen brachte und die Anwesenden mit selbstgemachten Pancakes verwöhnte.

Denn im Laufe der Woche bekamen wir Gesellschaft: Santi & Andrea, ein Pärchen aus Argentinien fanden ebenfalls auf dem St. Johns Hill Unterschlupf. Wir tauschten Erfahrungen aus und waren in der Lage, Tipps und Hilfestellungen zu geben, denn die beiden hatten leider nicht nur Positives zu berichten.

Natürlich stand auch Sightseeing auf dem Plan. Obwohl Whanganui eine eher verschlafene Stadt ist und die Innenstadt allmählich auszusterben scheint, gibt es einiges zu sehen. Beispielsweise den Virginia Lake, welcher neben hunderten von Enten, Schwänen etc. auch einen schönen Wintergarten beinhaltet. Oder den Dunrie Hill Tower, in dem man beim Hochsteigen Schwindelanfälle bekommt.

Weiterhin haben wir die ziemlich windigen und stark dünischen Strände besichtigt und einen niedlichen Wochenmarkt besucht.

Außerdem haben wir uns verliebt. Nicht in uns – dieses Kind ist schon lange in den Brunnen gefallen – sondern in die Kunst des … Glasblasens. Whanganui besitzt ein Zentrum für Glasbläserei, das bedeutet es ist ein Shop und eine Werkstatt, in der man auf der einen Seite Künstlern bei der Arbeit zusehen kann und gleichzeitig die Möglichkeit hat, einen Kurs zu belegen. Leider für viel Geld, sodass wir uns damit begnügt haben, zuzugucken, wie es geht. Insgesamt drei Mal in der Woche. Es war einfach super spannend. Wir haben sogar unsere Mitbewohner mitgeschleppt. Die vermutlich nicht dieselbe Begeisterung aufbringen konnten 😅

Natürlich darf auch dieses Mal unsere Pflichtwanderung nicht fehlen. Sie führte uns nach Atene und nannte sich Skyline Track. Acht Stunden haben wir uns abgerackert, über Stock und Stein, durch Schlamm und gleich am Anfang um einen kleinen Erdrutsch drum herum (NICHT nachmachen, Kinder – das war nicht ganz ohne), sind beide MEHRMALS auf dem Allerwertesten gelandet und endeten manchmal in leicht erhitzten Konversationen. Alles in allem war es ein schöner, sehr fotogener, aber auch anstrengender Track, der uns in der anschließenden Nacht gut schlafen ließ.

Wieder fand diese Woche ein rasches Ende – meine Güte, wie die Zeit vergeht, es ist schon Ende Juli. Und wieder einmal folgten wir für unseren nächsten Stopp einer Einladung und verabschiedeten uns aus dem verschlafenen Whanganui.

 

Taranaki

Das Motto des Abreisesonntags lautete: Bloß weg hier, denn schlimmer geht’s sowieso nicht. Also auf nach New Plymouth, zum sagenumwobenen Mount Taranaki im Egmont Nationalpark. Der Weg war dieses Mal das Ziel: Der Forgotten World Highway. Fantastisch!

In New Plymouth waren Karen & Chris unsere Hosts. Ein warmer Empfang erwartete uns und ein wahnsinnig sauberes, warmes Haus mit einem super komfortablen Bett. Ein Hammer Kontrast zur letzten Woche! Die beiden besitzen Kühe, unglaublich viele Hühner in drei Generationen: Chicks (Kücken), Pullets (Junghennen) und Chooks (Legehühner) und dann auch noch Bienen. Und Katze Kati dürfen wir nicht vergessen, denn diese ist so niedlich und hat ein fantastisches Leben voller Liebe, Spaß, Ruhe, Wärme und definitiv nicht zu wenig Futter 😉

bimostitch_pano_5-01-3214x791

Unsere Wochenaufgabe bestand darin, ein neues Zuhause für die Teenagerhühner zu schaffen, indem sie mehr Platz haben sollten. In einem riesigen Stall (halb Werkstatt, halb Abstellfläche) befanden sich außerdem Räume für die unterschiedlichen Generationen in unterschiedlichen Bauphasen. Wir begannen in einem Raum aus Sperrholzplatten die Spalten und Ränder der Wände mit Silikon zu verschließen, damit keine lästigen Parasiten (Rote Vogelmilben) nisten können, welche den Tieren Blut absaugen und sie dadurch krank machen würden. Im Laufe der Woche haben wir Wände, Decke und Fußboden grundiert und mehrfach gestrichen, die Tür gespachtelt, verglast und bepinselt & die Auslaufluke zum Außengelände montiert. Ich sag euch: Am Ende hatten die Hühner es besser als ein Helpxer in Ohakune 😅 Ohje.

Am ersten Abend stand gleich etwas besonderes an: Wir begleiteten Gastgeber Chris zu seinem monatlichen Treffen des Bienenzüchtervereins 🐝 Obwohl wir nicht viel verstanden – es waren teilweise sehr fachspezifische Diskussionen – war es eine interessante Erfahrung. Bienenzucht ist ein großes Thema in der Region. Viele steigen neu ins Geschäft ein, was teilweise zu Problemen führt.

Ansonsten genossen wir abends immer fantastische Gespräche und superleckeres Essen. Es war wirklich eine tolle Woche und wir entwickelten alle einen schönen gemeinsamen Rhythmus (Franzi meint, dass wir uns gut an die festen Strukturen des Tagesablaufes anpassen konnten 😃). Zu den Highlights gehörte das tägliche Hühner füttern, Eier einsammeln und flauschige Küken streicheln. Einen Tag schafften wir es auch, der Kuhumquatierung und -fütterung beizuwohnen. Wir genossen den Wiesen-Tabak-Duft beim Verrupfen des Silos mit den Händen.

DSC00659-01-3214x2138

Eine Bergbesteigung stand auch an. Naja eine Halbe. Es ist eben Winter. Und der Schnee lag teilweise einen halben Meter hoch auf dem Weg nach oben zum Mount Taranaki. Wunderschön ist er ja, aber in dieser Jahreszeit definitiv nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Wir managten es ein ganzes Stück weit hoch, aber gaben früher als erwartet auf. Selbst bei Sonnenschein und üppigen Plusgraden war der Weg ab einem gewissen Punkt einfach nur noch hart überfroren, spiegelglatt und ohne entsprechende Ausrüstung nicht zu bewältigen. Franzi musste deswegen den ziemlich enttäuschten Mario unter Anwendung höchster Gefühlsausbrüche 😭 dazu bringen, den verfrühten Abstieg anzutreten. Trotz alledem war der Tag definitiv nicht verschwendet.

Später sind wir sind sogar nochmal geklettert. Und zwar auf den Paritutu Rock an der Küste von New Plymouth, von dem man einen wunderschönen Blick über die Stadt, das Meer und den Berg hat.

bimostitch_pano_1 (1)-01-5423x3220

DSC00390-01-5423x2266

An dieser Küste wanderten wir an einem anderen Tag von der Walskelettbrücke Te Rewa Rewa in eine Shoppingmall, um dort einen laktose – und glutenfreien Muffin zu essen. Naja insgesamt ein bisschen fad, aber leider gibt’s das hier nicht oft getrennt und ich habe mal wieder festgestellt, dass ich wahrscheinlich Millionen machen würde, wenn ich einen Laden mit leckeren milchfreien Sachen eröffnen würde. Verdammte Marktlücke hier! Darauf freue ich mich in Deutschland. Mario würde jetzt wieder sagen, dass ich mich nur von Mahlzeit zu Mahlzeit hangele. Kurzum: Ja, das stimmt. Ich liebe Essen. Vor allem seitdem ich nicht mehr alles haben kann. Ihr wisst schon, verbotene Dinge sind die Interessantesten.

Gut, wieder zurück zum Wesentlichen. In New Plymouths tollen Stadtpark mit einem süßen kostenlosen Zoo schloss Mario eine tiefe Freundschaft mit einem grünen Papagei, der sich nur allmählich immer weiter näherte. Außerdem sind wir ziemlich enttäuscht von der berühmten Art Gallery – manche Kunst versteht ist einfach nicht zu verstehen. Dafür beeindruckt das Stadtmuseum mit seinen Maori Artefakten und den Infos zum Mount und den Tieren sehr.
Außerdem wollten wir einer Empfehlung Jennys nachgehen und eine Hängebrücke am Mount besuchen. Leider machte uns wieder das Wetter einen Strich durch die Rechnung, sodass wir uns die wenig beeindruckenden Dawson Falls anschauten. Krass, wir sind einfach schon mega verwöhnt. Kleinere Wasserfälle sind langweilig geworden.

Karen & Chris, thank you very much for your hospitality! We had a lovely week with interesting experiences. All the best & take care! 

bimostitch_pano_4-01-3214x1099

 

Ohakune

Ok, wir hatten das Paradies auf Erden erlebt, aber es wurde Zeit, aufzubrechen. Seid ihr bereit für den Absturz? 😨 Wir waren es nicht. Unser nächstes Ziel war Lake Taupo bzw. der Tongariro National Park in der Mitte der Nordinsel. Mal weg vom Meer. Dieses Mal war das Auftreiben eines Hosts nicht einfach, aber letztendlich ergab sich eine (vorallem für Franzi) sehr attraktive Lösung: Ein Pferdehof im Skiort Ohakune. In dem es wirklich schneien sollte. Im Juli. Seeeehr viel Schnee. Aber dazu später mehr.

Wir waren unheimlich erleichtert nach langer Suche, etwas in der Wunschregion gefunden zu haben. Allerdings gab es einen kleinen Haken: Im Gegensatz zu den sonstigen 5-Sterne Hosts bekam diese Farm vor vier Jahren eine ziemlich schlechte Bewertung: Von wegen man würde eher als Arbeiter denn als Helfer gesehen und die Unterkunft wäre in alten Wohnwagen und so… Deswegen wurden wir von unserem Host Bruce gewarnt, der sich um unser weiteres Wohlbefinden sorgte. Aber gut, dachten wir, fahren wir mal hin, es sind ja ein paar Jahre vergangen – wird schon nicht so schlimm. Außerdem wird sicher nicht im Winter verlangt, dass man außerhalb des Hauses schläft.

Vier Stunden Fahrt unter Druck – Wir sollten am frühen Nachmittag da sein, weil Franzi eine große Einführung in den Arbeitsalltag mit den Pferden erhalten sollte. Denn die Schulferien begannen am nächsten Tag & „Ach, du bist Sozialarbeiterin? Möchtest du denn mit Familien arbeiten?“ Ok, nee eigentlich nicht, ich wollte eine Pause davon – aber das ist eine andere Situation, deswegen: „Klar doch“ 😉 Mit Familien habe ich die gesamte Woche nicht gearbeitet, aber den Sozi musste ich doch raushängen lassen. Aber eins nach dem anderen.

Bei der Ankunft wurden wir von einer anderen Helpxerin namens Polly empfangen, nachdem wir eine Runde um das Anwesen gefahren waren und zu unserer Erleichterung keine Wohnwagen entdeckten. Polly führte uns zu unserer Unterkunft: Wir gingen um ein schuppenartigen Wellblechbau herum und da waren sie (vor den Blicken Fremder versteckt): drei uralte Wohnwagen, dicht aneinandergeklatscht und gelinde gesagt ziemlich abgerockt. Auf der Hinfahrt witzelten wir noch, was für ne Ausrede wir uns für das Ablehnen eines Wohnwagens einfallen lassen sollten. Aber dann steht man da, völlig ohne Alternativen. Außerdem wollten wir nicht gleich gehen, ohne es wenigstens probiert zu haben…

bimostitch_pano_2-01-1713x787

bimostitch_pano_1-01-1713x673

Viel Zeit zum Nachdenken und Besprechen blieb uns ohnehin nicht. Bevor wir uns überhaupt durchringen konnten, unsere Sachen in den Verschlag zu bringen, mussten wir erstmal an die Arbeit. Polly stellte uns im Vorbeigehen den anderen Helpxern vor: Enna aus Taiwan und Anna aus Deutschland. Insgesamt waren wir also 5! Helfer plus die Gastgeber (die, wie sich rausstellte, nur am Wochenende da sind und in den Ferien). Außerdem lebt ein deutsch – tschechisches Ehepaar auf dem Gelände und über der Straße ein neuseeländischer Ziehsohn, derzeit arbeitslos, in einem Jim Beam Truck. Wahnsinn! Also zehn Personen hielten sich zeitweise im einzigen beheiztem Raum (Küche/Esszimmer/Wohnzimmer) des Gebäudes auf. Denn das Haus ist eher ein Überbleibsel eines riesigen Anwesens, welches vor ein paar Jahren durch ein Feuer fast komplett zerstört wurde. Die Gastgeber besitzen allerdings noch ein zweites und sahen keine Notwendigkeit darin, das alte wieder herzurichten. Wie auch immer. Ist alles nicht so schlimm. Wenn die Leute nett sind, brauchen wir ja keinen besonderen Luxus, um uns wohl zu fühlen (wobei das in letzter Zeit schon half 😅).

20170715_203600-01-1713x622

Statt einem Rundgang oder der besprochenen Einführung, für die wir am Anreisetag gestresst auf extra Abstecher auf unserer langen Fahrt verzichteten, wurden wir zum Abstecken einer neuen Wiese durch Matsch und Regen gelotst, denn die Pferde benötigten eine neue Nachtkoppel. Überhaupt hatte die Arbeit viel mit den Pferden zu tun, sodass Mario viel dazulernen und Franzi ihr Wissen auffrischen konnte.

Wir hatten eine tolle Zeit mit den anderen Helfern; später kam Becca aus Florida hinzu. Sie, Polly und Anna haben viel Erfahrung mit Pferden und bewiesen eine Engelsgeduld, uns alles zu erklären. Das und unser unglaublich toller Ausritt am ersten Tag – yippie, endlich wieder das Glück der Erde genießen – waren unsere Highlights der Woche. Leider lief nicht alles so rund.

Wir möchten euch nicht lang die Ohren vollheulen, denn eigentlich ist das Kapitel abgeschlossen. Anderseits sollte es nicht unerwähnt bleiben. Es gibt nicht immer gute Erfahrungen.

Zuerst mal das Wetter – es schneite während der Woche so sehr wie die letzten 20 Jahren nicht. An sich erstmal kein Problem und eigentlich ziemlich cool, wer hat schon Schnee im Juli inkl. Schneemann bauen?! Leider war niemand auf 50 cm Schneefall im Tal des Skiortes vorbereitet, sodass sofort a) alle Straßen komplett gesperrt wurden und b) der Strom häufig und manchmal etliche! Stunden ausfiel. Neben dem schmerzlichen Verzicht auf Licht, Heizung und Küchengeräte musste zudem eimerweise Wasser für die improvisierte Toilettenspülung durch den tiefen Schnee rangeschleppt werden. Wenigstens auf den kleinen Kamin war Verlass, um den Raum zu heizen, Wasser/Schnee zu kochen bzw. Flachbrot zu backen. Abenteuer pur 😆

Durch dieses Wetter blieb uns somit vorerst die Möglichkeit verwehrt, das berühmte Tongariro Crossing zu machen. Ohne Guide und Ausrüstung zu gefährlich und mit für $170 pro Person zu kostspielig. Aber wir wollten zumindest Mount Ruhapeu erkunden, da dessen Bergstraße ziemlich weit nach oben führt. Wir probierten es trotz fehlendes Allradantriebs oder Schneeketten, weshalb wir an einem (ziemlich weit oben gelegenen 🤔) Checkpoint auch wieder zurück geschickt wurden. „Aber es fährt ein kostenloser Shuttlebus aus der Stadt hier hoch.“ So einfach also? Zurück in der Touri-Info des Ortes erfuhren wir: „Der Bus fährt zwischen 8 und 11 Uhr vormittags.“ … Es war um 12 😫… Darauf gabs erstmal eine sündhaft teure Frustpizza mit Ausblick auf den für uns an diesen Tag unbezwingbaren Berg. Aber wir gaben nicht auf und kämpfen uns am Nachmittag durch Schnee und über Bäume zu zwei atemberaubenden Viadukten.

Neben dem unbeeinflussbaren Wettergott stellten uns diese Woche auch Sterbliche auf die Probe. Die begrenzte Anwesenheit der Gastgeber beflügelte die Unfreundlichkeit rumkommandierender „Ersatzpersonen“, die nicht müde wurden einem das Gefühl von Unwillkommenheit zu vermitteln. Als wir uns gezwungen sahen, dies zur Sprache zu bringen, lautete die Entschuldigung der eigentlichen Gastgeberin: „Erstaunlich das dieses Verhalten auftritt, selbst wenn ich da bin“. Ja, wie geht es denn sonst zu?

Das Fazit dieser Woche: Es kann auch doof laufen. Sicher, wir waren uns unseres bis dahin unglaublichen Glücks bewusst. Aber ganz ehrlich: Wären die Pferde und die lieben anderen Helfer nicht gewesen, wir wären sofort gegangen.

Denn: Sinn des helpx-en ist ein Austausch. Wir helfen vier Stunden am Tag für Essen und Unterkunft. Man sollte keine vorwurfsvollen Blicke ernten, wenn man nicht bereit ist, immer deutlich mehr als vereinbart zu tun. Wie z.B. vor uns nach vier Stunden harter Arbeit das Zubereiten des Futters und das Führen der Pferde zu Koppel und Stall sowie das Säubern der Ställe.

Essen beinhaltet auch, dass Menschen mit Unverträglichkeiten nicht gesagt wird: „Ich koche einfach so wie sonst auch und du schaust, wo du bleibst.“ Schönen Dank auch! Wenn ich den ganzen Tag ausschließlich Brot esse, brauch ich nicht so viel arbeiten wie die Anderen?! Ok, und wenns so ist, möchte ich es gern vorher gesagt bekommen, wenn ich etwas nicht essen kann. Nicht erst, wenn ich den ersten Bissen genommmen habe. Danke!
Und: wir sind Helfer, helfen überall wo wir können und versuchen uns auch an allem Unbekannten. Leider werden wir aber scheinbar manchmal mit Untergebenen verwechselt. Auch der Tonfall…

Aber wir haben es durchgezogen und sind stolz darauf. Und konnten jemand anderen ermutigen, sich von dort loszureißen und den Rest des wunderbaren Landes zu erkunden. Das ist definitiv nicht Neuseeland mit seiner Gastfreundschaft.

bimostitch_pano_12-01-3138x724

Ahoi Yogahaus! ✌